Streuobstwirtschaft im Öffentlichen Interesse - Nordappel zeigt Potentiale entlang der Handlungsfelder der Leader Region Hohe Heide

Einführung und Kompass
Streuobst als landschaftsprägende Kulturtechnik Mitteleuropas ist heute vor allem in Süddeutschland bekannt und wertgeschätzt. Obwohl von vielen Seiten zum Erhalt aufgerufen wird und viele neue Bäume gepflanzt werden, gehen die Bestände deutschlandweit ungebremst zurück. In Niedersachsen ist ein Großteil der auch hier einst verbreiteten Streuobstwiesen längst aus dem Landschaftsbild und der lokalen Kultur verschwunden. Hauptgrund dafür sind die Flurbereinigung zugunsten einer intensiven Landwirtschaft und die Verlagerung der Obstproduktion in den hochspezialisierten Intensivobstbau. Zwar ist dieser Prozess schon sehr weit vorangeschritten, es gibt jedoch weiterhin einige alte Wiesen und eine große emotionale Verbundenheit der lokalen Bevölkerung mit der Idee alter Obstbäume, alter Obstsorten und den damit zusammenhängenden Verarbeitungsformen. Darüber hinaus baut sich ein immer lauter werdendes Bedürfnis zum Erhalt der bedrohten Biodiversität auf — schon lange werden Streuobstwiesen zu den potenziell artenreichsten Biotopen Mitteleuropas gezählt. So bieten Streuobstwiesen auch in der Region Hohe Heide ein großes emotionales Identifikationspotenzial, stoßen generationenübergreifend auf großen Zuspruch und regen zum Mitmachen an. Gleichzeitig herrscht oft Ratlosigkeit und Unkenntnis in Bezug auf nachhaltige Nutzungskonzepte, standortgerechte Sortenwahl, die Notwendigkeit und den Umfang der Obstbaumpflege.

Streuobst als romantischer Sehnsuchtsort? Da geht noch so viel mehr!

Ein für viele Streuobst-Neuanlagen fatales Missverständnis liegt darin, dass sie als reine Naturschutzmaßnahmen gedacht werden und eine Nutzung kategorisch ausgeschlossen wird. Die Kulturlandschaft Streuobst ist jedoch ohne Nutzungsabsicht nicht denkbar. Ohne wirtschaftliches Nutzungskonzept wird nicht in die nachhaltige Pflege der Bäume investiert, und sie erreichen weder ihr ökonomisches noch ökologisches Potenzial, das ein über hundertjähriges ertragreiches Baumleben birgt.

Wir von Nordappel ändern das und entwickeln Streuobst für die Zukunft! Wir haben uns dem Erhalt dieser vielgestaltigen und hochinteressanten Streuobstkultur verschrieben und stellen Cider und andere veredelte Streuobstprodukte her, um auf alten Wiesen wieder Wertschöpfung zu betreiben, Pflege zu finanzieren und aufzuzeigen, dass ökologische und ökonomische Mehrwerte genussvoll mit einer nachhaltigen Wirtschaftsform kombinierbar sind. Da wir selbst am meisten am Nutzen der Bäume interessiert sind, investieren wir langfristig in die notwendige Pflege der Bäume. Wir beweisen, dass auch und gerade in heutigen Zeiten Streuobst eine wirtschaftlich interessante, ökologisch wertvolle und regional wertschöpfende Landnutzung ist und somit zukunftsweisend sein kann.

Dieses Handout zeigt anhand der Handlungsfelder der LEADER-Region Hohe Heide, welche Potenziale in vielfältig nutzbaren Streuobstflächen und der an sie geknüpften Kultur und Tätigkeit liegen. Es ist unser Ziel, diese Potenziale zu entfalten. Wir freuen uns über Ihre Ideen und Anregungen, wie dies noch besser geschehen kann, denn wir sind überzeugt, dass sich hier Mehrwerte für die Region Hohe Heide entsprechend ihrer strategischen Entwicklungsplanung realisieren lassen.

Handlungsfeld 1 - Digitalisierung, Bürgerbeteiligung, (öffentlich-private) Kooperation, Inklusion, Anpassung

Die Mosterei Sehlingen ist ein Zentrum dörflicher Kultur. Ein Ort wo alle die Früchte Ihrer Umgebung genießen können!

Bei regelmäßigen Festen, Führungen und anderen Veranstaltungen kann das Kulturerbe Streuobst und das soziale Miteinander gestärkt werden.

Nordappel sieht Streuobstwiesen und den Erhalt unserer lebenswichtigen Kulturlandschaft durch nachhaltige Pflege und Nutzung als eine Aufgabe, die uns alle fordert. Streuobstwiesen haben das Potenzial, Menschen zusammenzubringen, um an dieser notwendigen Anpassung kooperativ mitzuwirken. Diese Prozesse möchte Nordappel aktiv mitgestalten!

Z 1.1 Einbindung einer zukunftsfähigen Strukturbildung für Beteiligungsprozesse für die gesamte Region (z. B. regionsweite Foren, Fortbildungen, Netzwerkbildung etc.).

Streuobstwiesen können Schauplätze sein, auf denen hochaktuelle Themen wie Beteiligung, Gemeinwohl, Naturschutz und zukunftsfähige Landwirtschaft aktiv verhandelt werden können. Kommunale, privatwirtschaftliche und ehrenamtliche Sphären kommen in Kontakt und müssen sich verständigen. Streuobst mobilisiert Menschen aller Alterstufen und Hintergründe emotional, über politische Lagergrenzen hinweg und kann so als ideales kooperatives Projekt als Netzwerkknoten dienen, um Menschen wieder zusammenzubringen. Professionell begleitet durch Bildungsangebote sowie fachgerechte Planung und Pflege können Streuobstwiesen nicht nur ökologische Hotspots und ökonomisch produktive Flächen werden, sondern zugleich „dritte Orte“, an denen zentrale Fragen unserer Zeit im Tun bearbeitet werden.

Z 1.5 Integration von allen, insbesondere auch von Menschen mit Migrationshintergrund und Zugezogenen, in das Dorf- und Gemeindeleben sowie in den regionalen Entwicklungsprozess.

Nordappel ist ein zugezogenes Unternehmen. Wir wollen einen Beitrag zur ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Transformation für die Region Hohe Heide leisten. Wir sehen mannigfaltige Potenziale, dies zu tun, und freuen uns darauf, Anschluss zu finden. Ebenso wollen wir Menschen der Region, aber auch jene, die auf der Suche nach Anschluss sind, Möglichkeiten bieten, an unserer Entwicklung sowie der Entwicklung der Region teilzuhaben. Es bieten sich dazu viele spannende Möglichkeiten, die wir gerne ausloten, verfeinern und realisieren wollen.

Handlungsfeld 2 - Soziale Dorfentwicklung und Flächenmanagement

Streuobstwiesen, deren Pflege und die Verarbeitung der Produkte bieten als Flächennutzungsform vielfältige Möglichkeiten für die soziale Dorfentwicklung. Produktionsintegrierte Kompensation (PiK) mit fachgerecht geplantem und gepflegtem Streuobst schafft Mehrwerte für Kommunen und die Menschen vor Ort und kann neue Verbindungen in Dörfern knüpfen. Die Verarbeitung des Obstes und die Entwicklung lokaler Produkte tragen zusätzlich zur Identifikation und sozialen Dorfentwicklung bei.

Wir beobachten in unserer Mosterei, bei unseren Streuobstführungen und in unseren Seminaren, dass die Zielgruppen sich auf sehr bereichernde Weise vermischen und miteinander in Kontakt kommen. Streuobst, Naturschutz, Obst und dessen Verarbeitung sind starke emotionale Felder, die viele Menschen aller Altersstufen und sozialer Hintergründe heute bewegen — über politische Grenzen hinweg. Gerade in unserer Mosterei als „Drittem Ort“ sehen wir, wie ältere Menschen, die noch einen tradierten Bezug zum Thema Obstbäume und deren Nutzung haben, mit jungen Familien, die gerade ihre ersten Bäume pflanzen oder alte Bäume übernommen haben, in Kontakt kommen und sich gegenseitig bestärken. Regelmäßige Feste und weiterführende Bildungsangebote vor Ort fördern dieses Miteinander noch mehr.

Z 2.2 Erhalt und Gewährleistung dörflicher Infrastrukturen sowie Schaffung von Versorgungsstrukturen.

Ähnlich dem Dorfbäcker, der Autowerkstatt oder früher der Kornmühle kann die Mosterei, wie die Mosterei Sehlingen mit ihrer 35-jährigen Geschichte, als Verarbeitungsbetrieb für Jedermann zum Treffpunkt werden. Kleine Wirtschaftskreisläufe entwickeln sich, sodass dieser Betrieb zur dörflichen Infrastruktur gezählt werden darf. Hier wird ein für alle nutzbringendes traditionelles Handwerk mit vielen Identifikationspunkten fortgeführt und ständig weiterentwickelt.

„Erhalt durch Nutzung“ ist hier auf privater Ebene von Bedeutung. Menschen, die ihr Obst zu Saft verarbeiten, erleben ihre Bäume nunmehr als erhaltenswert und sind wieder bereit, in Pflege zu investieren oder sich weiterzubilden. Diese Möglichkeiten bieten wir mit unserer Mosterei und unseren Bildungsangeboten.

Z 2.5 Unterstützung des nachhaltigen Flächenmanagements und Reduzierung der Flächeninanspruchnahme.

Nachhaltiges Flächenmanagement wird durch Nordappel mit Schulungen der örtlichen Landschaftspflegeverbände in den Themenfeldern Streuobst-, Grünland- und Blühflächenpflege unterstützt. Diese nachhaltigen Flächennutzungen werden durch Nordappel mit großer Expertise auch selbstständig angelegt und gepflegt und können so für Kommunen und Bauträger als Kompensationsmaßnahmen (Produktionsintegrierte Kompensation) dienen. Nordappel kann auch Pflegeaufträge und Flächenmanagement als Dienstleistung übernehmen und so ungenutzte Potenziale der Flächen durch Nutzung ausschöpfen. So ist nachhaltiges Flächenmanagement auch eine Möglichkeit, Mehrwerte durch Nutzung der Streuobstbestände für die Regionen zu schaffen.

Handlungsfeld 3 - Kulturelle Identität und Ehrenamt

Die großartige Vielfalt unserer heutigen Obstsorten geht auf Jahrtausende der Obstkultur zurück!

Streuobst bewegt viele ehrenamtliche und politische Bewegungen. Hier auf dem 2. Bundesweiten Streuobstkongress der Baumland Kampagne

Streuobstwiesen sind seit 2021 als immaterielles Kulturerbe von der UNESCO geehrt und verdienen unseren Schutz und unsere Pflege. Mit ihnen pflegen wir das kulturelle Erbe unserer Heimat und bieten Anknüpfungspunkte für kommende Generationen. Über Bildungsangebote sowie fachgerechte und ökonomisch tragfähige Nutzung des Streuobsts können Zukunftsperspektiven für diese bedrohte Kulturlandschaft entwickelt werden. Dies ist nur möglich mit viel Engagement unterschiedlichster Akteure. Nordappel möchte hier eine Schlüsselrolle einnehmen, diese Kräfte bündeln und Streuobst zu einer Landnutzungsform mit Zukunft machen!

Z 3.1 Erhalt des kulturellen Erbes und Weitergabe der Traditionen

Viel ist über den Erhalt alter Obstsorten gesagt und geschrieben worden. Wir von Nordappel stehen selbstverständlich hinter dieser wichtigen Aufgabe, die differenzierten Eigenschaften der Regionalsorten sowohl ihres musealen Werts als Kulturerbe als auch ihrer genetischen Varianz wegen zu erhalten. Doch geht unser Ansatz noch weiter: Streuobstwiesen dürfen nicht nur ein schützenswerter Teil einer Vergangenheit sein, der nach und nach weiter aus der Zeit fällt. Streuobst und Obstbaukultur brauchen neue Impulse, um Teil einer nachhaltigen Zukunft zu sein.

Dabei spielen die Entwicklung neuer Pflanzverfahren sowie die Erforschung und Zucht neuer Wurzelunterlagen eine entscheidende Rolle, da sich trotz aller Bemühungen um Obstsortenvielfalt seit Jahrzehnten eine Monokultur bei hochstämmigen Obstbäumen aufgebaut hat. 95 % aller neugepflanzten Apfelhochstämme stehen auf dem Bittenfelder Sämling, 85 % aller Birnenhochstämme auf der Kirchensaller Mostbirne. Die Kirchensaller ist bereits stark unter Druck geraten. Viele Bäume sind in Gefahr; neue Ansätze müssen her.

Nordappel ist als Partner der Baumland-Kampagne der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Teil eines neuaufgelegten Forschungsprojekts zu neuen Unterlagen für den Streuobstbau, damit diese Jahrtausende alte Kulturtechnik und Tradition auch weiterhin eine Zukunft hat!

Z 3.2 Förderung von Vereinen und des Ehrenamtes

Wir von Nordappel haben viele Erfahrungen mit ehrenamtlich organisierter Streuobstpflege gemacht und sind zu dem Schluss gekommen, dass Konzepte, bei denen die Anlage der Wiese mit öffentlichen Geldern und Pressefoto geleistet wird und danach die Pflege in die Hände eines anfangs hochmotivierten Vereins gelegt wird, nur in Ausnahmefällen erfolgreich sind.

Unser Ansatz ist, dass über die Trägerschaft unserer Firma Streuobst nachhaltig geplant, angelegt und gepflegt werden kann und darauf aufbauend Vereine und örtliche Institutionen unter professioneller Anleitung tolle Arbeit leisten können und wollen. Wir erleben, dass Ehrenamt, unterstützt durch professionelle Verantwortungsträger, im Streuobst hervorragend und für alle Seiten sehr bereichernd funktioniert!

Z 3.4 Stärkere Einbindung von Kindern und Jugendlichen in den Prozess der ländlichen Entwicklung und Förderung von Jugendarbeit.

Wie in weiteren Punkten dieses Handouts noch zu lesen sein wird, bieten wir von Nordappel bereits verschiedene Aktivitäten für Schulklassen und Kindergartengruppen an, können uns aber noch viele weitere Angebote vorstellen, die Kinder und Jugendliche in Verbindung mit Streuobst, der Kultur und Tätigkeit, die damit verbunden ist, bringen. Unsere Erfahrung zeigt, dass Kinder sehr schnell motiviert sind, sich in diesem Feld einzubringen und sogar außerhalb der Angebote tätig sein wollen. Diese Potenziale wollen wir gerne weiter ausschöpfen und sehen besonders in der inklusiven Jugendarbeit, zum Beispiel mit Schulverweigerern, viele Chancen für alle Beteiligten.

Handlungsfeld 4 - Klimawandel und Grüne Infrastruktur

Streuobstlandschaften, wie hier in Schwaben gehören zu den resilientesten und artenreichsten Europas.

Dieser Bereich ist am stärksten mit Streuobst assoziiert. Wir möchten hier auf die vielfältigen Ökosystemleistungen (ÖSL) fachgerecht gepflegter und nachhaltig genutzter Streuobstwiesen eingehen. Ebenso möchten wir betonen, dass Streuobst von jeher eine auf Nutzung ausgelegte Landschaftsform ist und nur in dieser Funktion die enormen ökologischen Werte und Leistungen erbringen kann, die ihm zugeschrieben werden.

Z 4.1 Anpassung der Region an potenzielle Auswirkungen des Klimawandels

Hierzu sei zunächst auf die allgemeine Leistung von Gehölzen in der Landschaft im Hinblick auf Erosionsschutz und Wasserwirtschaft hingewiesen. Feldhecken, Gehölzgruppen und eben Streuobstwiesen mit extensivem Grünland schützen das wertvolle Gut Boden vor Wind und Austrocknung. Durch reduzierte oder ausbleibende Düngung wird zudem das Grundwasser nicht durch Nährstoffauswaschungen belastet; im Gegenteil, Nährstoffe und CO₂ werden optimal im Humus und in der Pflanzenmasse gebunden. Richtige Gehölzpflege und Weidewirtschaft können so bedeutende Emissionseinsparungen erzielen.

Z 4.3 Erhalt und Wiederherstellung der Artenvielfalt, nachhaltiger Wasserwirtschaft und Ökosysteme sowie der Wälder und Heideflächen

Halboffene Landschaftstypen wie hochstämmige Streuobstwiesen mit Heckensäumen und Blühwiesen schaffen dringend benötigte Lebens- und Schutzräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten und leisten in der aktuellen Situation einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Z 4.2 Unterstützung von Aktivitäten und Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz

Die Kompensationspflicht betrifft alle Bauträger, die Flächen versiegeln. Nordappel zeigt, dass Kompensationsmaßnahmen so geplant werden können, dass die zentralen Aufgaben im Umwelt- und Klimaschutz mit vielfältig produktiven Streuobst- und Heckenanlagen verbunden werden.

Nachhaltig gepflegtes Streuobst erbringt wertvolle Leistungen für die Allgemeinheit und sollte entsprechend wertgeschätzt werden.

Z 4.4 Stärkung des Bewusstseins für klimafreundliches Verhalten, Förderung effizienter Energienutzung und Verminderung der CO₂-Emissionen in der Region

Das Konzept „Erhalt durch Nutzung“ schafft auf vielfältige Weise Bewusstsein für die Eingebundenheit des Menschen in natürliche Kreisläufe und die Verantwortung für die Pflege unserer Kulturlandschaft. Gut gepflegte Streuobstwiesen sind für Menschen produktiv und gehören zugleich zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Mensch und Natur sind keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Dies wird durch nachhaltig produzierte, lokal verwertete Lebensmittel in kleinsten Wirtschaftskreisläufen deutlich. Nordappel bietet darüber hinaus vielfältige Bildungsangebote wie Streuobstführungen, Obstbaumschnittseminare u. v. m., um diese Zusammenhänge verständlich zu machen.

Z 4.5 Schaffung, Vernetzung sowie Erhalt von Zugängen zu Erholungsräumen (Wälder, Landwirtschaftsflächen, Gärten und Parkanlagen) unter Berücksichtigung der Anforderungen an eine gesunde Umwelt (Grüne Infrastruktur)

Streuobst leistet einen Beitrag zur Lebensqualität durch seinen Erholungswert, ÖSL und durch den Genuss von Obst und verarbeiteten regionalen Produkten. Streuobstwiesen lassen sich parkähnlich und besucherfreundlich gestalten und so in ausgeräumten Agrarlandschaften oder auch in Siedlungsgebieten zu grünen Oasen für Jung und Alt machen!

Handlungsfeld 5 - Regionale Wirtschaftsallianzen

Hochwertige Streuobstprodukte stärken die regionale Identität und Wirtschaft aus lokalen Resourcen.

Auf Streuobstwiesen ist weit mehr Nutzung möglich als nur monokultureller Ackerbau. So kann diese Landschaft wirtschaftlich und ökologisch viele Mehrwerte schaffen!

Der große Vorteil von Streuobst gegenüber monokulturellen Ackerbausystemen oder Forsten ist die vielfältige Nutzbarkeit der Flächen. Beginnend beim Grünland als Weide- und Futterfläche, über die Obstnutzung und Honigproduktion bis hin zur Energieholz- bzw. Wertholzgewinnung bei Feldhecken. Zusätzlich lassen sich über die Produktionsintegrierte Kompensation (PiK) Mehrwerte für Bauträger und Kommunen schaffen. Veranstaltungen sowie Tourismus- und Bildungsangebote liefern weitere Mehrwerte. So schaffen wir mit intelligent geplanten und gepflegten Streuobst-Multilayer-Nutzungen über mehrere Betriebe hinweg lokale Produkte mit hohem Identifikationspotenzial und Marktwert, indem wir die lokalen Ressourcen verarbeiten. Auf diese Weise lassen sich ökologische und ökonomische Mehrwerte mit regionalem Genuss kombinieren!

Z 5.1 Stärkung des kreislauforientierten Wirtschaftens.

Stand in der Lohnmosterei: Futtermistkooperationen mit umliegenden Milchviehbetrieben. Trester gegen Mist. Weide auf den Wiesen. Mahd zur Futtergewinnung. Kleinste Kreisläufe: ObstbesitzerInnen gehen zur Mosterei und bekommen ihren eigenen Saft.

Denkbare Kreisläufe:  (GRAFIK)

Flächenpool einer Gemeinde mit nutzbaren Streuobstwiesen — Pflege, Ernte und Verarbeitung durch Nordappel — Vielfältige Bildungs- und Kulturangebote mit lokalen Bildungsträgern, Vereinen und Einrichtungen — Kooperationen mit Landwirtschaftsbetrieben, Imkereien u.Ä. — Produkte wie Cider, Saft, Fleisch, Honig uvm. für regionale Vermarktung — Regionales Marketing/Tourismus profitiert durch tolle Produkte und Veranstaltungen.

Mehrwerte: Ökopunkte — Biodiversität — Bildung und Identifikation — Erholungswert — regionale Produkte.

Z 5.2 Zukunftssicherung von Betrieben der Region durch Stärkung der Anpassungsfähigkeit an gesellschaftliche Veränderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Flächenkompensation ist für viele Unternehmen und Gemeinden ein Wachstumsengpass. Streuobst schafft darüber hinaus multiple Standbeine für kleine, lokale Wirtschaftskreisläufe (Obst, Baumpflege, Unternutzung, Vermarktung, Bildung). Gehölze in der Landschaft fördern resilientere Ökosysteme und schaffen Bedingungen, unter denen auch unter sich wandelnden Klimabedingungen eine landwirtschaftliche Produktion möglich bleibt (siehe Erosion und Wassermanagement).

Z 5.3 Förderung der Nutzung regionaler Ressourcen als Werkstoff.

Streuobst, insbesondere mit Heckenbegleitpflanzung und Wertholzpflanzung, bringt lokale Ressourcen hervor. Angefangen beim Obst, das durch handwerkliche Verarbeitung und Veredelung sowohl Identifikationspotenzial als auch lokale Wertschöpfung steigert. Zudem entstehen Energieholz und Wertholz. Die landwirtschaftliche und imkerische Unternutzung schöpft weitere Potenziale aus.

Z 5.4 Förderung von Gründungsinitiativen, u. a. unter Beteiligung bestehender Netzwerke der Region.

Elevator Pitch für die Nordappel Streuobstgesellschaft mbH in Gründung:

Flächenagentur und Kompensationspoolbetreiberin für Kommunen der Region; spezialisiert auf Projektierung, Planung, Anlage, Pflege und Nutzung von Streuobst, Hecken und extensivem Grünland.

Gleichzeitig Bildungsträger mit Angeboten für lokale Strukturen (Schulen, inklusive Einrichtungen, Dorfvereine und lokale Unternehmen).

Ökologischer landwirtschaftlicher Betrieb und Dienstleister für spezialisierte naturnahe Landschaftspflege.

Z 5.6 Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und Unterstützung regionaler Vermarktung

Streuobst kommt im Gegensatz zum heute üblichen ökologischen Tafel- und Mostobstanbau völlig ohne Spritzmittel und intensive Düngung aus. Streuobst ist in vielerlei Hinsicht das neue Bio im Obstbau. Als zertifizierter Bio-Verarbeitungsbetrieb ist Nordappel längst eine Anlaufstelle für ökologisch wirtschaftende Betriebe, wenn es um Obstverarbeitung geht. Mit der Gründung eines eigenen landwirtschaftlichen Betriebs, der selbstverständlich biozertifiziert sein wird, könnte die Streuobstproduktion für den Biomarkt erschlossen werden. Dies ist das Ziel von Nordappel.

Streuobstwiesen bieten viele Anknüpfungspunkte auch für biologisch wirtschaftende Weidebetriebe und Imkereien, um Multilayersysteme zu schaffen und vielfältige Nutzungskonzepte zu verknüpfen.

Z 5.7 Stärkung und Ausbau des sanften Natur- und Kulturtourismus.

Viele Projekte in anderen Regionen zeigen, dass Streuobst als Tourismusmagnet funktionieren kann. Häufige Modelle sind Streuobstradwege mit dazugehörigen vermarkteten Streuobstprodukten. Die Erfahrung zeigt, dass lokale Hotels und Gasthöfe großen Wert auf regionale Produkte legen und dass Cider und Apfelsaft(-schorlen) sich als besonders erfolgreich erweisen. Sortensammlungen können zu lebendigen Museen werden, mit Führungen und Bestimmungstagen. Campingplätze unter Obstbäumen sind sehr beliebt. Streuobstwiesen lassen sich gezielt als besucherfreundliche Naherholungsorte entwickeln. Und vielleicht nicht für alle naheliegend, aber nicht zu verachten ist Streuobsternte, Pflege und Verarbeitung als Bildungsurlaub!

Handlungsfeld 6 - Lebendige Dörfer und Arbeiten auf dem Lande

Naturnahe Grünpflege ist für immer mehr Menschen eine Berufung. Wir machen einen Beruf daraus!

Immer mehr gut ausgebildete Fachkräfte können Streuobst nach bester fachlicher Praxis pflegen.

Streuobst als ästhetische, lebendige und produktive Landschaftsform schafft vielfältigen Nutzen für Lebensqualität und Dorfentwicklung. Die mit Pflege und Wertschöpfung verbundenen Tätigkeiten bieten sinnvolle Arbeit für Menschen, die sowohl mit der Natur als auch für das Gemeinwohl und ihr direktes Lebensumfeld tätig sein möchten. Diese Landschaften möchten wir von Nordappel entwickeln, Menschen weiterbilden und Teilhabe ermöglichen.

Z 6.1 Stärkung der Ortskerne und Erhalt der dörflichen Strukturen

Die Mosterei Sehlingen als traditionsreicher Handwerksbetrieb mit regional ausstrahlender Anziehungskraft kann als Paradebeispiel für eine funktionierende Institution im Dorf dienen. Das Apfelblütenfest (internationaler Tag der Streuobstwiese) sowie die Mostsaison ziehen nicht nur das gesamte Dorf, sondern auch die umliegenden Gemeinden an. Die Obstalleen im und um das Dorf werden durch den Dorfverein beerntet und liefern Saft für das ganze Jahr. So kommt die Gemeinschaft zusammen und lernt in Obstbaumschnittseminaren und anderen Veranstaltungen mehr über die Schätze, die sie um sich haben. Das Modell der sinnvoll auf dörfliche Nutzung angelegten und entsprechend fachgerecht gepflegten Obstallee kann zu einer wertvollen dörflichen Struktur entwickelt werden.

Z 6.4 Schaffung von Angeboten zur Verbesserung der Vereinbarkeit beruflicher Anforderungen und privater Bedürfnisse (Work-Life-Balance)

Gerade Berufstätige mit Bürojob nehmen Angebote zu Gemeinschaftsaktionen zur Ernte, Pflanzung oder Ähnlichem sehr gerne an, sodass auch Angebote im Rahmen von Bildungsurlaub großen Anklang finden. Hier kann auch auf Obstbaumveredelung, fachgerechten Schnitt und ähnliche Themen eingegangen werden. Unter professioneller Anleitung sind Tätigkeiten im Streuobst für Menschen aller Altersstufen und Hintergründe erfüllende und einprägsame Erlebnisse!

Z 6.5 Unterstützung von alternativen, innovativen Arbeitsmodellen sowie der notwendigen Infrastruktur

Wir von Nordappel träumen davon, ein neues Berufsbild zu prägen. Unsere Tätigkeitsfelder, Expertise und Ausbildungspartnerschaften ermöglichen uns die Entwicklung neuer Fachkräfte auf dem Gebiet der naturnahen Grünpflege mit den Schwerpunkten Obstbaum- und Streuobstpflege, aber auch Blühflächenmanagement und Umweltpädagogik. Modelle ähnlich einer dualen Ausbildung sind denkbar (Anstellung und bezahlte berufsbegleitende Ausbildung). Nordappel bietet auch Weiterbildungen für Landschaftspflegeverbände und kommunale Grünpflegebetriebe in Streuobstpflege und Obstbaumschnitt an.

Es liegt eine Verantwortung bei den Kommunen, für den Erhalt der Biodiversität zu sorgen, und das naturnahe Pflegen öffentlicher Grünanlagen ist ein naheliegender Beitrag, für den es Fachkenntnis auf Seiten der Pflegebetriebe und ihrer Fachkräfte braucht. Menschen möchten diese sinnstiftende und interessante Arbeit im Grünen gerne tun und damit auch zum öffentlichen Gut natürlicher Lebensgrundlagen beitragen. Dafür braucht es Ausbildung sowie den politischen und ökonomischen Willen, diese Tätigkeit angemessen zu entlohnen!

Handlungsfeld 6 - Lebendige Dörfer und Arbeiten auf dem Lande

Die fasznierende Welt des Streuobst eröffnet immer mehr Menschen einen Zugang zu sinnvollem Naturschutz.

Menschen aller Alterstufen lassen sich für die Welt des Obstes begeistern.

Auf Streuobstwiesen zeigen sich unsere aktuellen Zeitfragen nach der Rolle jedes Einzelnen in der ökologischen Transformation, aber auch die Rolle unseres Gemeinwesens darin, wie in einem Brennglas. Hier lassen sich wichtige gesellschaftliche und ökologische Prozesse kennenlernen und die eigene Rolle reflektieren. Lösungen können praktisch erarbeitet und Selbstwirksamkeit für die Natur und das Gemeinwohl geübt und erlernt werden.

Z 7.1 Aufbau und Vermarktung von Bildungsnetzwerken in der Region im Sinne einer nachhaltigen Bildungslandschaft

Auf der Streuobstwiese lassen sich viele für unsere Zeit relevante Themen anschaulich darstellen, sodass sich der Aufbau von Bildungsangeboten für alle möglichen Zielgruppen geradezu aufdrängt. Wir von Nordappel haben bereits ein breites Angebot von Streuobstpädagogik über Obstbaumschnittkurse, Vogelführungen und Sortenbestimmung. Wir arbeiten auch eng mit weiteren großartigen Akteuren zusammen, wie dem Pomologenverein e.V., Hochstamm Deutschland e.V., dem Niedersächsischen Streuobstwiesenbündnis, dem KÖN, dem Fachverband für Obstgehölzpflege e.V. sowie der Obstbaumpflegeschule, der LEB Oldenburg und der BaumwartInnenausbildung am Adolfshof, um uns gegenseitig bei verschiedenen Veranstaltungen zu ergänzen.

Streuobstwiesen sind lebendige Klassenzimmer, lebendige Museen und ermöglichen viele handlungspädagogische Angebote für Menschen aller Altersstufen und Hintergründe. Kaum ein Ort kann besser illustrieren, wie der Erhalt einer lebenswerten Umwelt von unserer kulturellen Leistung als Menschen abhängt und uns auffordert, uns intensiv mit Tieren und Pflanzen auseinanderzusetzen und sie zu pflegen.


Streuobstwiesen sind keine unberührte Natur; dennoch bieten sie gerade aufgrund des pflegenden Eingriffs des Menschen einer weitaus größeren Zahl von Arten eine Heimat als eine unberührte Brachfläche.

Z 7.3 Unterstützung zielgruppenorientierter Aktionen zur Förderung von Interessen und Begabungen

In der Mosterei finden regelmäßig Treffen der Arbeitsgemeinschaft Obstgehölzpflege des Pomologenvereins statt. Diese Treffen sind wertvolle Tage des Austauschs unter Experten und Praktikern, regional und überregional.

In der Mostsaison bieten wir Mosttage für Schulklassen und Kindergärten an. Seit Jahren kommen ganze Jahrgänge vorbei, pressen Saft für den Förderverein und lernen spielerisch etwas über Streuobst.

In allgemeinen Vorträgen über Obstbaumschnitt und spezialisierten Praxisseminaren bieten wir privaten Obstbesitzerinnen die Möglichkeit, selbst mit ihren Bäumen umzugehen und über die Lohnmosterei einen Nutzen aus ihrem Obst zu ziehen.

Die Schulung von Fachkräften in der Grünpflege ermöglicht Kommunen eine stetige Weiterbildung und Entwicklung im grünen Bereich.

Weitere Angebote lassen sich entwickeln!

Z 7.4 Verbesserung der Bildungs- und Kulturzugänge und Bildungsübergänge, insbesondere unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und Möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen (Erreichbarkeit)

Insbesondere für die inklusive Jugendarbeit sehen wir ein großes Potenzial in den Tätigkeiten auf Streuobstwiesen, da sie teilweise körperlich fordernd sind und in allen Abstufungen handwerkliches Geschick erfordern. Die sinnvolle Tätigkeit in der Natur und mit anderen Menschen bietet darüber hinaus viele Anknüpfungspunkte für eine tiefere, auch intellektuelle Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle in einem komplexen Gefüge.

Wer ist Nordappel?!

Mit viel Herzblut und Begeisterung für Cider und Streuobst führen Ole Klann und Josh Immendorf Nordappel und damit norddeutsches Streuobst in ein blühende Zukunft ;-)

Nordappel ist eine 2020 in Oldenburg gegründete Ciderfirma, die sich von Anfang an dem Erhalt von Streuobstwiesen durch Nutzung und Pflege verschrieben hat. Seit 2022 legt Nordappel auch Kompensationsmaßnahmen für Kommunen an und pflegt Streuobstflächen mit dem Ziel, langfristige Obsterträge für beste Ciderqualitäten zu sichern. 2024 übernimmt Nordappel die traditionsreiche Lohnmosterei von Kurt Hoffmann-Rietzler in Groß Sehlingen und baut sie zur eigenen Kelterei um.

Nordappels Alleinstellungsmerkmal in Bezug auf Streuobst ist, dass wir selbst das größte Interesse am Erfolg der Anlagen haben und mit großer fachlicher Expertise in Sortenwahl und Obstbaumpflege dafür sorgen können, dass die von uns gepflanzten und gepflegten Bäume ein hohes Alter erreichen und sowohl den erwünschten ökologischen Wert als auch eine lange Lebensleistung an Obsterträgen erbringen. Ganz abgesehen von den enormen kulturellen und immateriellen Mehrwerten, die alte Obstbäume und regionale Produkte für die lokale Bevölkerung bieten.

Ole Klann

Gründer und Geschäftsführer von Nordappel — Leitung Cider-Produktion, Mosterei

M.Sc. Agrarwissenschaften, Landwirtschaftlicher Berater mit Schwerpunkt Biolandbau und Klimaschutz

Vorsitzender von Hochstamm Deutschland e.V.

Master Cidermaker (Peter Mitchell - Cider-Academy)

Josh Immendorf

Baumwart und Streuobstkoordinator bei Nordappel — Leitung Kompensation, Flächenmanagement und Streuobstdidaktik

Gelernter Landwirt, Baumwart (2-jährige Ausbildung der Thüringer Obstbaumschnittschule)

Naturgartenplaner (Naturgarten-Akademie)

Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Obstbaumpflege des Pomologenvereins e.V.

Gründungsmitglied des Fachverbands für Obstgehölzpflege e.V.

Ausbilder für Obstbaumschnitt und Streuobstpflege

Lasst es Euch schmecken!